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Die „bessere Hälfte“

Ich hasse das Gefühl, wenn man im Zug sitzt und alle Lichter an sind, weil es draußen dunkel ist. Dabei will man sich doch nur im eigenen Sitz verkriechen und sich warm in den eigenen Mantel kuscheln. Man schaut aus dem Fenster und sieht wie sich das Zuginnere in den Fenstern spiegelt und man weiß, dass alle wartenden Menschen auf den Gleisen einen sehr gut sehen können. Dann fühle ich mich immer beobachtet wie ein Tier im Zoo.

Deswegen mag ich das grelle Licht der Regio DB gar nicht. Ein angenehmes Licht ist natürlich notwendig, weil man ja Lesen & Schreiben können muss. Schließlich will ich manchmal auch lesen. Für den Laptop reicht allerdings das Licht meines Bildschirms.

Und ganz besonders stört mich die Armstütze am Fenstersitz, weil man dann keine horizontale Position einnehmen kann, ohne dass sich die Stütze einem in den Rücken bohrt. Dabei könnte es so entspannend sein mit dem Rücken am Fenster angelehnt und die Beine ausgestreckt zu sitzen.

Ganz schlimm ist es, wenn man im Zug einen Luftzug verspürt und sich wie Miss Marple fühlt, weil man die ganze Zeit damit beschäftigt ist herauszufinden woher der Luftzug kommt und wie man die ganze Situation lösen kann.

Als ich so saß, stellte ich mir vor wie schön es wäre, wenn ich am Madison Square Garden in New York sein könnte. Dabei wusste ich noch nicht einmal, was mich dort erwarten würde. Es war also nur das Gefühl, das ich in dem einen Moment verspürte. Ich hatte ohne zu verstehen das Bedürfnis in New York City zu sein. Wahrscheinlich wollte ich nur aus dem Dilemma im Zug entfliehen.

Dann wiederum überlegte ich mir, wie man eine Kontaktanzeige formulieren müsste, um mit 140 Zeichen alles Wichtige zum Ausdruck zu bringen. Ich verweilte ewig bei diesem Ansatz und dabei blieb es auch. Weiter kam ich nicht, weil ich nicht wusste, wie man so etwas verfassen sollte. Ich entschied, dass ich das gar nicht will und dass ich gewiss keine Frau bin, die so etwas mit Hilfe von 140 Zeichen sagen kann. Außerdem gefiel mir der Ansatz einfach nicht mehr.

Aber davon mal ganz abgesehen war ich es leid mir irgendwelche Voraussetzungen oder Charakteristika auszudenken, um annähernd an eine passende Person zu gelangen. Zu allem Überfluss reden Menschen oft von „der besseren Hälfte“. Was soll das? frage ich mich. Wenn die eine Hälfte die bessere ist, dann könnte man ja denken, dass die andere Hälfte (vielleicht nicht das Gegenteil von besser) aber zumindest eine abgeschwächte Version von besser ist. Und das gefällt mir nicht. Daraus könnte ich nämlich schließen, dass die andere Hälfte, welche in mir weilt, eine schlechtere Hälfte ist. Und das ist doch blöd! Natürlich ist mir klar, dass das so metaphorisches Dahergelabere ist und trotzdem finde ich das überspitzt. Also ich wehre mich eine „bessere Hälfte“ zu suchen. Außerdem sucht man doch keine halben Sachen und auch keine Menschen, die zur Hälfte besser und zur anderen Hälfte schlechter sind, sondern einfach ein Gesamtbild. Niemand will ein halbfertiges Tableau, welches man nie versteht, weil die wichtigsten Bildkomponenten inexistent sind. Ich will ein vollständiges Tableau, welches eventuell nicht perfekt sein mag, welches ich aber einigermaßen „betrachten“, „lesen“ und bei näherer Analyse einzelner Bestandteile verstehen kann.

Damit ist die Geschichte aber noch lange nicht zu Ende.

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Ich schweife ab

wenn man an nichts anderes mehr denken kann
und sich nur noch auf etwas anderes konzentrieren möchte
oder besser gesagt abschweifen will
und genau das nicht machen kann
weil man sich mit etwas anderem beschäftigen muss
genau dann macht sich durchhaltevermögen bemerkbar

ich würde gerne darüber nachdenken
welches notebook ich mir als nächstes zulegen soll
wann ich mir ein selbstgemachtes armband anfertigen will
wie ich das gestalten kann
aber eigentlich

darf ich über all diese sachen nicht nachdenken
weil ich über den „third space“ grübeln muss
über den „dritten raum“
den ich mittlerweile nicht mehr mag
er kann produktiv oder auch weniger produktiv sein
homi k bhabha sagt, dass im „third space“ so einiges abgeht
bachmann-medick sagt, dass nicht für alle was abgehen kann
es geht um einschränkungen
nicht alle können von hybridisierung oder eben hybridität profitieren
sie sagt die intellektuellen & künstler mehr als z. b. leute aus dem ghetto
die evtl. damit beschäftigt sind ums überleben zu kämpfen

also darf man nicht alles romantisieren
auch nicht den „third space“
weil nicht alle die gleichen voraussetzungen zum produktiv-sein haben

also darf ich nicht abschweifen
und nicht über romantische armbänder nachdenken
sondern muss die „verortung der kultur“
„the location of culture“ verstehen lernen
um es anderen leuten erklären zu können

währenddessen schweife ich ab!

[okay, das ganze gelaber da oben sollte nen touch von philosophie bekommen.
ist mir nicht gelungen, würde ich sagen.
das problem ist, dass ich keine zeit habe.
hätte ich zeit, könnte ich auch abschweifen.

ich liebe das abschweifen.
es beruhigt nicht nur meine gedanken, sondern auch mein gemüt.
abschweifen ist erst nächste woche wieder erlaubt!

im zug sagt eine frau gerade „mach dir doch nicht so’n stress“.
und das schon zum zweiten mal.
sie hört sich auch ziemlich besorgt an.
nein, sie redet nicht mit mir, sondern mit ihrer mutter am telefon.

ich sollte auch abschweifen und meinen stress abbauen.

in diesem sinne:

Macht Euch Doch Nicht So Einen Stress!]